Die vielen Formen der Gewalt

Häusliche Gewalt lässt sich klar definieren: Sie umfasst alle Fälle von physischen, psychischen und sexuellen Übergriffen, die vom Partner ausgehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Übergriffe innerhalb von ehelichen oder nichtehelichen Lebensgemeinschaften ereignen oder ob es, wie sehr häufig, erst während oder nach einer Trennung zur Gewaltanwendung kommt. Selten kommt es zu spontaner Gewalt; oft stellt sie einen Machtfaktor dar und dient dazu, die Kontrolle und Beherrschung in einer Partnerschaft zu erlangen oder zu behalten.

Meist denken wir beim Stichwort „Gewalt“ an körperliche Gewalt, doch auch psychische und sexualisierte Gewalt zählen dazu, denn auch sie hinterlassen sichtbare und vor allem unsichtbare Wunden. Meist bleibt es nicht bei einer Form von Gewaltanwendung, sondern es kommt zu Überschneidungen der verschiedenen Formen.

Unter physischer Gewalt versteht man zum Beispiel:
Schläge, Stöße, Tritte, grobes Anfassen, an den Haaren ziehen und überhaupt jegliche körperliche Bedrohung.

Psychische Gewalt umfasst:
Drohungen, Demütigungen und Abwertung der Person durch abfällige und verletzende Worte, Ausnutzen der wirtschaftlichen Abhängigkeit oder die Isolation der Frau durch Kontaktverbote zu Familie und Freunden.

Sexualisierte Gewalt reicht von:
sexueller Belästigung, Demütigung und Erniedrigung (durch Worte, Blicke oder „Begrapschen“) bis zur sexuellen Nötigung (d.h. sexuelle Handlungen gegen den Willen einer Person vorzunehmen) und Vergewaltigung. Sexuelle Gewalttaten stellen einen massiven Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frau dar. Entgegen landläufiger Meinungen wird sexuelle Gewalt gegen Frauen in der weit größeren Zahl aller Fälle nicht durch Fremde ausgeübt, sondern rund zwei Drittel aller sexuellen Gewalttaten finden im Bekannten- und Familienkreis statt.

Eine Sonderform der Gewalt ist das so genannte Stalking:
Damit wird die ungewollte Kontaktaufnahme, wiederholte Verfolgung und andauernde Terrorisierung einer Person gegen deren Willen bezeichnet.

Quer durch die Bevölkerung

Gewalt kommt in den besten Familien vor und macht weder vor Bildung noch vor Wohlstand Halt. In Haushalten mit schwieriger Einkommenssituation zeigt sich zwar, dass sich dort das Risiko für eine eventuelle Gewaltanwendung insgesamt erhöht. Doch tatsächlich ausgeführte Gewalt kommt in allen Schichten etwa zu gleichen Anteilen vor. Lediglich die Motivation für die gewaltsamen Übergriffe unterliegt unterschiedlichen Beweggründen.